Heuschnupfen - aus Sicht der TCM
Millionen Menschen in Deutschland leiden an Allergien. In der Traditionellen Chinesischen Medizin, die ja schon sehr alt ist, kannte man zunächst den Begriff der Allergie nicht. Aber die Chinesen kennen den Begriff „Wei-Qi“, die so genannte Abwehrenergie des Körpers, was man vielleicht am ehesten mit unserer Vorstellung des Immunsystems gleichsetzen kann. So ist es ein wichtiges Therapieprinzip, diese Abwehrenergie des Körpers zu stärken.
Es gibt in der TCM einen engen Zusammenhang zwischen den Atemwegen, der Haut und dem Darm. So leiden viele Allergiker auch an Hautproblemen, wie zum Beispiel trockene, schuppende Haut, oder Neurodermitis als Kind. Auch Verdauungsprobleme sind häufig, z.B. Blähungen, Reizdarm oder sehr unregelmäßiger Stuhlgang.
Ein gesunder Darm und damit eine „gesunde Mitte“ sind eine wichtige Grundlage in der Behandlung der Allergie– im Sinne der Chinesen ist diese gesunde Mitte bei Menschen mit Allergien oft geschwächt. Wir sehen das unter anderem an einer angeschwollenen Zunge mit Zahneindrücken an den Zungenrändern.
Bis heute ist es nicht völlig geklärt, warum Akupunktur bei Allergien so gut und nachhaltig wirkt. Aus Studien wissen wir, dass Akupunktur eine wirksame, und nebenwirkungsarme Therapiemöglichkeit bei Allergien ist.
So wurden in einer Übersichtsarbeit die Ergebnisse aus 13 Studien mit immerhin über 2000 Studienteilnehmern ausgewertet, wonach Akupunktur sowohl den Medikamentenverbrauch als auch die Symptome signifikant verbessert. Die positive Wirkung der Akupunktur ist auch bei Kindern mit Studien belegt. In USA wurde sogar von den HNO-Ärzten die Therapieempfehlung Akupunktur in die Leitlinien zur Behandlung aufgenommen.
Tatsächlich konnte man auch in Studien nachweisen, dass in Blutproben der Patienten vor und nach der Akupunktur positive Veränderungen stattfinden. So sinkt bei Allergikern nach mehreren Akupunkturen das Immunglobulin E, das bei Allergikern oft erhöht ist, gleichzeitig steigt das schleimhautschützende Immunglobulin A an. Ebenso verändern sich die so genannten Interleukine positiv, die für allergische Reaktionen mit verantwortlich sind.
Zudem wissen wir aus Studien, dass das vegetative Nervensystem positiv beeinflusst wird. Das merken die Patienten meist an einem Wohlbefinden nach der Akupunktur, man fühlt sich gut und entspannt, hat mehr Energie (das Qi wird gesteigert) und auch der Schlaf wird wieder besser und tiefer.
Es gibt viel, was man als Patient mit Allergien selbst tun kann. Mein ehemaliger chinesischer Kollege hat immer gesagt, „die Hälfte der Behandlung übernehme ich, die andere Hälfte machen Sie“. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine Verbesserung herbeiführen können:
Die „Mitte“ stärken. Also in erster Linie den Darm und die Verdauung. Schon Hippokrates wusste, die Gesundheit beginnt im Darm. Hierzu habe ich bereits einen Artikel geschrieben. Drei Dinge sollten Allergiker aus Sicht der TCM möglichst konsequent meiden, das sind Zucker, Milchprodukte und Weizen. Eine Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst sowie Hülsenfrüchten, Nüssen ist eine gute Grundlage für einen gesunden Darm. Auch reichlich Ballaststoffe, zum Beispiel Flohsamenschalen helfen dabei, die Darmzotten regelmäßig zu reinigen. Antibiotika, so segensreich sie sein können, bringen die gesunde Darmflora oft über Monate aus dem Takt.
Für Stress-Abbau sorgen. Viele Allergiker beobachten, dass sich ihre Beschwerden bei Stress deutlich verschlechtern. Das liegt daran, dass unser Immunsystem ganz allgemein unter Stress und hohem Cortisol- Spiegel etwas „schwächelt“. Nicht umsonst sagt der Volksmund so Sätze wie „ich habe die Nase voll“, oder auch „da bleibt mir die Luft weg“. Auch ständiges Grübeln und “Sich-Sorgen-machen” schwächt unsere Mitte aus Sicht der TCM enorm.
Die Leber unterstützen. Ich mag den Begriff „Entgiften“ nicht gerne, weil der Körper sich eigentlich permanent selbst entgiftet, und jemand, der allgemein recht gesund lebt, der kann auf solche Entgiftungskuren problemlos verzichten, da das alles reibungslos funktioniert. Wer aber seine körpereigenen Entgiftungssysteme permanent an den Rand der Belastbarkeit bringt, für den kann es sinnvoll sein, die körpereigene Entgiftung zu unterstützen: Alkohol weglassen, Algenpräparate wie Spirulina oder Chlorella können Giftstoffe binden, aber auch Gewürze wie Kurkuma oder Zwiebeln, Knoblauch, Bitterstoffe, grüne Gemüse können hervorragend die Entgiftung der Leber unterstützen. Oder einfach mal ein paar Tage lang fasten, auch das kann wahre Wunder wirken.
Genug Vitamine essen. Die ausreichende Versorgung mit den so genannten Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist wichtig. Für ein gut funktionierendes Immunsystem sind hier in erster Linie Zink, Vitamin C, B-Vitamine, Omega-3 Fettsäuren zu nennen, aber auch eine ausreichende Versorgung mit hochwertigem Eiweiß. Der Eiweißbaustein Glutamin nimmt hier eine besondere Stellung ein, da es eine wichtige Rolle im Immunsystem spielt. Glutamin ist in vielen Lebensmitteln enthalten, zum Beispiel in Sojabohnen, Haferflocken, Algen. Auch die so genannten sekundären Pflanzenstoffe, die im Körper anti-entzündlich wirken, scheinen eine wichtige Rolle für ein gut funktionierendes Immunsystem zu spielen. Hierzu zählen zum Beispiel OPC (aus Traubenkernen), Asthaxanthin, oder auch traditionelle chinesische Kräuter wie zum Beispiel Astragalus, um nur einige zu nennen.
Natürlich kann man bei Allergien auch Medikamente nehmen – das macht auch manchmal Sinn. Aber viele meiner Patienten sind das irgendwann ein bisschen leid, zumal etliche der Medikamente, die gut wirken, Nebenwirkungen haben. Mit der chinesischen Medizin gibt es hier eine gute Alternative, da sie so gut wie keine Nebenwirkungen hat, langfristig unser Immunsystem unterstützen kann und im Allgemeinen sehr gut vertragen wird.
Meist sind zur Behandlung von Allergien zwischen 6 und 10 Behandlungen ausreichend. Einmal pro Woche ist ein gutes Maß, bei ganz akuten Beschwerden kann man auch häufiger behandeln. Die Behandlung selbst ist meist nicht so schmerzhaft, wie sich die Leute das vorstellen. Lediglich die Nadeln im Bereich der Augen und Nase sind manchmal kurz unangenehm und bei vielen Patienten fangen die Augen kurz an zu tränen. Im Gesicht verwende ich immer hauchdünne Nadeln. Meistens tritt die Wirkung der Akupunktur innerhalb von 2-4 Behandlungen ein. Die Patienten stellen überrascht fest, dass ihre Beschwerden weniger ausgeprägt sind und manchmal auch weitgehend verschwinden. Bei manchen Patienten genügt eine einmalige Behandlung, manche kommen Jahr für Jahr während der Allergiesaison zu einer kurzen Auffrischung von wenigen Behandlungen wieder. Viele Patienten berichten mir, dass sie sich auch allgemein wohler, fitter und stärker fühlen nach der Behandlung, mehr Energie haben und eine bessere Stimmung. Das ist für mich auch nach vielen Jahren in der TCM immer wieder schön zu sehen und zu hören.
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