So bleiben die Faszien gesund
Verklebte Faszien können die Ursache für viele Beschwerden sein. Aber was sind Faszien überhaupt? Das Wort leitet sich vom lateinischen Begriff „fascie“ ab und bedeutet Band. Faszien sind sehr feste, kollagenreiche und sehr wasserreiche Gewebe, die Muskeln und Organe wie ein Netz umhüllen, stützen und verbinden. Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass es sich um ein äußerst lebendiges Gewebe handelt. Es gibt oberflächliche und tiefe Faszien, und Faszien, die um die Organe liegen. Leider können Faszien verkleben, verhärten und regelrecht „verfilzen“. Da Faszien über ein reichhaltiges Nervennetz verfügen, kann das zu Schmerzen führen. Als Beispiel möchte ich hier die Rückenschmerzen nennen. Wir wissen noch nicht, zu welchem Prozentsatz die Faszien dafür verantwortlich sind. Was wir aber wissen, dass selbst bei Patienten, die einen Bandscheibenvorfall haben, dieser oft NICHT für die Schmerzen verantwortlich ist, die Ursache somit unklar ist. Hier gibt es spannende Forschungsansätze, denn man hat festgestellt, dass bei Rückenschmerz-Patienten die Faszien häufig verhärtet, verändert und viel verklebter sind als bei gleichaltrigen Menschen, die keine Rückenschmerzen haben. Behandelt man die Faszien, dann verschwinden oft die Schmerzen.
Es braucht gar nicht viel, um unsere faszinierenden Faszien gesund zu halten. Damit sie möglichst lange elastisch und stabil bleiben, benötigen sie im wesentlichen drei Dinge:
Bewegung – wie der Volksmund sagt, „wer rastet, der rostet“ – um die Gleitfähigkeit der Faszien zu erhalten oder wieder zu verbessern, ist regelmäßige Bewegung das Wichtigste. Wir bewegen uns heutzutage einfach zu wenig, und ein kurzer Spaziergang am Abend gleicht stundenlanges Sitzen nicht aus. Regelmäßiger Sport, bei dem der ganze Körper in Bewegung ist, ist dagegen eine richtige Wohltat für die Faszien. Hier sind inbesondere auch hüpfende, federnde Bewegungen und Springen zu nennen, das geht auch gut auf einem Trampolin. Auch Sportarten wie Gymnastik, Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Pilates, Tanzen sind günstig. Strecken und Dehnen ist ganz wichtig, so wie das auch viele Tiere machen. So ist der Begriff „Faszien-Yoga“ eigentlich irreführend, denn Yoga-Übungen sind im Grunde alle günstig für die Faszien.
Durch regelmäßige Bewegung wird auch der Lymphfluss angeregt, was wichtig für die Versorgung der Faszien ist. In der Lymphflüssigkeit wird unter anderem der Blutgerinnungsfaktor Fibrinogen transportiert – bei wenig Bewegung kommt es oft zu einem Lymphstau, und das Fibrinogen wird zu Fibrin abgebaut. Fibrin ist ein körpereigener „Superkleber“, der eigentlich zum Verschließen von Wunden gedacht ist –wenn das in den Faszien passiert, verhärten und verkleben diese. Was mit Faszien bei Immobilität passiert, das kann man sehr eindrucksvoll nach einer Ruhigstellung im Gips sehen (und tasten). Leider haben viele Menschen, die Probleme mit den Faszien haben, bei Bewegung erst einmal MEHR Schmerzen – dann schließt man schnell daraus, „Bewegung tut mir einfach nicht gut“ – dabei ist das Gegenteil der Fall, anfangs muss man leider durch diese „Durststrecke“ irgendwie „durch“....
Stressabbau – dauernder Stress kann sich negativ auf die Faszien auswirken. Unter Stress kommt es zu einer erhöhten Freisetzung von Stresshormonen. Diese führen unter anderem dazu, dass sich die Faszien anspannen, sobald der Stress abflacht, entspannen auch die Faszien wieder. Bei chronischem Stress ist die Erholungszeit für die Faszien zu kurz und die dauerhaft gespannten Faszien verlieren ihre Elastizität. Dazu passt es auch, dass viele chronische Schmerzpatienten angeben, dass ihre Schmerzen deutlich weniger werden, wenn sie wenig gestresst sind.
Gesunde Ernährung: eine Ernährung mit sehr viel tierischem Eiweiß, Zuckern und Fertigprodukten führt zu einer Übersäuerung des Gewebes. Eine Ernährung, die viel Gemüse und Obst enthält und wenig Junk-Food ist dagegen für die Faszien ein Segen. Leider machen sich die Effekte von guter Ernährung immer erst nach und nach bemerkbar, da braucht man ein wenig Geduld. Für gesunde Faszien sind auch Mikronährstoffe wie Vitamin C, Zink, Kupfer, Silizium wichtig, um nur einige zu nennen. Auch OPC (Traubenkernextrakt) als so genanntes „Antioxidans“ kann die Faszien schützen und die Regeneration stärken.
Und wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, was kann man dann tun? Es gibt Situationen, in denen unser Fasziensystem einfach überfordert ist. Nach einem so genannten „Schleudertrauma“ beispielsweise, wo die Halswirbelsäule ruckartig überdehnt wird – danach kann es im gesamten Körper zu Chaos kommen. Manchmal treten eine Weile nach so einem Unfall Schmerzen an ganz anderen Körperstellen auf, die niemand mehr mit dem Schleudertrauma in Verbindung bringt. Auf einem Röntgenbild oder bei einer Kernspintomographie kann man verklebte Faszien nicht erkennen. Aber man kann das tasten. Ein TCM-Arzt macht das, aber auch ein Osteopath. Gerade für die inneren Faszien ist die Osteopathie der TCM weit überlegen. Dazu ein Beispiel: Die Faszien, die die Nieren umgeben, verlaufen ganz nah an den Faszien der Lendenmuskulatur. Die Nierenfaszien verändern sich unter anderem bei Stress. Wir sagen nicht umsonst „das geht mir an die Nieren“. So findet man bei Rückenschmerzen nicht selten in diesem Bereich Probleme, die sich relativ einfach behandeln lassen.
Und was bringen Faszienrollen? Nun, Faszienrollen, richtig angewendet, können durchaus positive Effekte für die Faszien bewirken – allerdings nur für die äußeren Faszien und man sollte genau wissen, wie man diese richtig anwendet, sonst hat man unter Umständen mehr Schaden als Nutzen.
Zusammenfassend gesagt: reichlich Bewegung, Springen, Hüpfen, Federn, Dehnen, dazu wenig Stress und gesunde Ernährung, so hat man schon eine gute Basis für gesunde Faszien geschaffen. Wer dann noch regelmäßig dehnt und rollt, genug Wasser trinkt und bei Problemen rechtzeitig unterstützt, der macht eigentlich alles richtig.
Photo by Jonas Jacobsson on Unsplash